Digitalisierung in der Baubranche

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09. November 2021 / tabya! Insights

Was ist bisher geschehen? Wo befinden wir uns bei der Digitalisierung in der Baubranche? Die Digitalisierung treibt die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft zur Transformation aller Prozesse. Jeder Lebensaspekt, den wir kennen, erneuert sich von Grund auf und das in einem immer schneller werdenden Tempo. Dabei werden die Lebensqualität und die Aussicht auf wirtschaftlichen Wohlstand gestärkt.

Die Baubranche unterzieht sich ebenfalls solcher Transformation. Mit den sich entfaltenden Weiten der Technologie, bietet sich der Baubranche ein enormes Potential nach Veränderung. Dabei meint Digitalisierung nicht nur ein rein digitales Abbild des Unternehmens, sondern ebenfalls eine Steigerung der Effizienz und Transparenz. Ebenso muss auch das Personal auf die Digitalisierung vorbereitet und geschult werden. Sogar die Organisation des Unternehmens kann sich fundamental ändern und zukunftssicher gestaltet werden.

Der Kernpunkt der Digitalisierung soll nicht der momentane Trend sein, sondern darf gerne an der Basis des Unternehmens arbeiten und diese in einem wirtschaftlichen und erfolgsversprechenden Sinn umgestalten. Gleichauf dürfen höhere Investitionen keine Hürde sein – ob nun monetär oder rein zeitlich. 

Das Ziel am Ende des Weges ist eine mittel- und langfristige Kostenersparnis und der erhöhte Nutzen für den Endkunden. Die Bedingungen zu denen und mit denen gearbeitet werden, sollen im Vorfeld gut geklärt sein. Auch die Werkzeuge und Programme, mit denen schlussendlich ein Mehrwert generiert werden soll, müssen benutzerfreundlich sein. Die Digitalisierung versteht sich deshalb als ein Mittel zur Bewältigung der immer wachsenden Herausforderungen im Bau.

Wie sehen die unterschiedlichen Phasen in der Digitalisierung aus? Dazu kann man am besten in unterschiedliche Phasen einteilen.

Digitalisierung in der ersten Phase

Kalkulationen für die Planung und Abrechnung, ob nun im Büro oder auf der Baustelle, werden bereits über Softwareprogramme bearbeitet. Dabei werden bereits Tablets und Smartphones eingesetzt. Das Bestellen von notwendigen Maschinen, Geräten und Material verläuft bereits über eine Bandbreite an Apps. Die Dokumentation des Baus durch Fotos erleichtert nicht nur den direkten Ausrausch mit dem Kunden, sondern hilft auch, um sich rechtlich abzusichern. Das Einstempeln mittels Lochkarten ist auch bereits in Vergessenheit geraten und die Zeit auf der Baustelle für die Lohnabrechnungen wird ebenfalls mobil erfasst. Zu guter Letzt repräsentiert auch eine maßgeschneiderte Homepage das eigene Unternehmen und gibt Auskunft über das Leistungsportfolio. 

Das Problem: Die Anwendungen sind bereits seit 10 Jahren etabliert und nicht neu. Zudem handelt es sich bei den unterschiedlichen Produkten um für sich alleinstehende Anwendungen. Will man etwas von einem ins nächste System übertragen, müssen erst geeignete Schnittstellen geschaffen werden. Und das alles, bevor diese Daten überhaupt einmal ausgewertet werden können.

Digitalisierung in der zweiten Phase

Der frühe Einstieg in die Digitalisierung zahlt sich aus. Dokumente werden nicht mehr in einem Archiv bearbeitet, sondern bereits in einem Managementsystem organisiert und verwaltet. Endlose Papierhaufen an Bauakten sind dabei kein muss mehr, weil diese digital zur Verfügung gestellt werden. Die Kommunikation erfolgt auch nicht mehr über eine Telefonkette oder umständlich über einzelne Personen, sondern über projektbezogene Mitarbeiterchats. Die Verwaltung von Geräten und Personal erfolgt auch nicht mehr über Excel-Listen und handgeschriebenen Aufzeichnungen. Stattdessen werden diese Anliegen über Software gelöst. Im optimalen Fall steht hierfür eine einzige Plattform zur Verfügung und nicht wie zuvor unzählig viele. Schnittstellenprobleme gibt es nämlich immer noch. Die Anwerbung neuer Fachkräfte erfolgt nicht wie vor in Zeitungsinseraten oder Mundpropaganda. Social-Media-Plattformen, wie Facebook, Xing und LinkedIn, helfen Unternehmen und Arbeitssuchenden bei der Vermittlung von Jobangeboten. 

Digitalisierung in der dritten Phase

Zusammenarbeiten und „plattformbasiertes Arbeiten“ ist immer noch eine Herausforderung im Bau. BIM-Modelle sind von der Idee perfekt geeignet für die Weiterentwicklung der Baubranche, aber leider gibt es noch nicht genügend Projektpartner. 2D-Modelle sind immer noch der Standard in der Projektplanung. Wenn der Wille mit der gemeinsamen Arbeit von BIM- und 3D-Modellen besteht, scheitern diese Vorhaben noch zu häufig an Problemen der Schnittstellen. Zwar sind diese technisch lösbar, aber auch genauso zeitfressend und verlangen nach geübten Fähigkeiten. Eine Lösung wäre die partnerübergreifende Nutzung der gleichen Software. Ob dies aber langfristig sinnvoll ist, kann in Frage gestellt werden. 

Was muss noch geschehen? Wo sind die Herausforderungen der Digitalisierung?

Generell gibt es 6 Faktoren, die benötigt werden, um Unternehmen erfolgreich in das Zeitalter der Digitalisierung zu begleiten.

Punkt 1 – Die notwendige Infrastruktur

Gerade auf Autofahrten wird man zu häufig von der schlechten Netzabdeckung geplagt. Auch der Ausbau des Breitbandnetzes lässt vielerorts noch zu wünschen übrig. Aber einer der treibenden Faktoren für eine digitale Transformation ist das Internet. Apps und Software sind teils stark von der Netzabdeckung abhängig. Es nützt dem Personal nichts, wenn sie auf der Baustelle niemanden erreichen oder ihre Anwendungen bedienen wollen und es dort schlichtweg keine Funksignale gibt. 

Punkt 2 – Den Mut fassen

Dass es einfach wird, das Unternehmen zu digitalisieren, hat niemand behauptet. Die Aufgabe zur Digitalisierung dann im gleichen Zug stehen zu lassen, ist wiederum kontraproduktiv. Digitalisierung ist keine Angelegenheit, mit der man sich nebensächlich beschäftigen sollte. Sie verlangt nach einem aktiven und unmittelbaren Interaktionsprozess. Je länger abgewartet wird, desto mehr Zeit und Anschluss verliert das eigene Unternehmen. Es lässt sich schwer einen 100 Meter Sprint gewinnen, wenn andere bereits die halbe Strecke hinter sich gebracht haben. Technologie entwickelt sich exponentiell und je früher in diese investiert wird, desto früher werden die Vorzüge daraus ersichtlich. Auch die Kooperation mit anderen Betrieben und Partnern wird durch digitale Werkzeuge und Kommunikation erheblich gestärkt. Wieso dann nicht den Sprint jetzt beginnen?

Punkt 3 – die Kompetenz der Bauherren 

Neben der Weiterbildung der Unternehmen, müssen sich auch die Behörden und Vergabestellen in digitalen Inhalten weiterbilden. Dabei sollten IT und Bau immer Hand in Hand arbeiten, um kürzere Wege zu schaffen. Einheitliche Richtlinien, die über kommunale Grenzen wirken, wären ebenso für jedes Bauunternehmen zuträglich. Es sollte keine Unterschiede für Herangehensweisen der Bauunternehmen geben, wenn sie in unterschiedlichen Bundesländern das gleiche Bauvorhaben anstreben. Ebenso unzuträglich für die Baubranche sind die diversen Plattformen, auf denen sie sich aufhalten müssen, wenn sie für den Bund, Länder oder Kommunen aktiv werden möchten. 

BIM sollte flächendeckender eingesetzt werden. Zwar ist die Arbeit im Vorfeld intensiver und auch kostspieliger, aber sie rentiert sich umso mehr. Durch die virtuelle Testung und die umfangreichen Prüfungen des Modellbaus, kann der Bau viel reibungsloser, zeit- und kosteneffizienter angegangen werden.

Punkt 4 – Schnittstellen schaffen

Übertragungen von einem System in ein ERP-System ist zeit- und nervenraubend. Umso wichtiger sind dadurch standardisierte Schnittstellen. Sie ermöglichen reibungslosen und schnellen Datentransfer. Dadurch spart ein Unternehmen zusätzlich an Geld, da kein IT-Personal für die Übertragung bereitgestellt werden muss. Zertifizierungen durch Prüfstellen, wonach die versprochenen Software-Eigenschaften geprüft werden, würden für Klarheit und Sicherheit sorgen.

Punkt 5 – Politik 

Mit dem Ausblick auf die flächendeckende Nutzung von Software und BIM sollte die Trennung von Bauen und Planen behalten werden, da diese keine Belastung für die Wertschöpfungskette darstellt. Vielmehr fördert eine Trennung dieser beiden den Wettbewerb.

Rechtsicherheit sorgt für ein betriebstaugliches Klima, wenn es mit dem Umgang mit Daten gibt. Wo und wie lange liegen die Rechte der Daten bei den unterschiedlichen Unternehmen oder Behörden? Wie sieht dies bei den, zur Verfügung gestellten, Daten aus? Die Grenzen sind nicht klar definiert und sorgen demnach für wenig geregelte Umstände in der Zusammenarbeit der beteiligten Unternehmen?

Gerade kleinere Unternehmen verlieren in der Zeit der Digitalisierung Fahrtwind in Richtung Zukunft, da sie sich die nötige IT und Kompetenz nicht immer leisten können. Kleine Finanzierungen helfen zwar, aber das leider nur in einem zu geringen Maß. Auch eine bundeseinheitliche Strukturierung fehlt. Dies sorgt für enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. 

Punkt 6 – Das Personal

Zwar ist das Wissen oftmals schon da, aber wird es kaum gebührend an das Personal weitergegeben. Der Fachkräfte-Mangel betrifft jeden Teil der Industrie. Unternehmen, die sich Fachkräfte nicht leisten können, sind darauf angewiesen selbst auszubilden. Die Basis dabei ist eine gute schulische Ausbildung mit den Grundlagen über digitales Arbeiten. Kompetenz mit allgemeinem Wissen zur Informatik und Computerprogrammen, abseits von Spielen, muss neben den klassischen Fachkompetenzen gefördert werden. Wer nun denkt, dass nur künftiges Büro-Personal solche Kompetenzen erwerben soll, liegt falsch. Auch das handwerkliche Personal auf den späteren Baustellen muss für die Zukunft gewappnet sein. Im besten Fall wird durchweg bis zur Meisterprüfung über digitale Inhalte und Erneuerungen gesprochen um den Wind in den Segeln zu behalten. Will sich dieses Personal einmal selbstständig machen, so haben sie dafür die grundlegenden und wirtschaftlichen digitalen Grundkenntnisse.  

Manche Universitäten sind bereits heute Vorreiter in der Digitalisierung und bilden Personal aus, welches sich schon früh in die Wirtschaft integrieren lässt und von Unternehmen schwer gefragt ist. Dual ausgebildetes Personal bietet schlichtweg die perfekte Verknüpfung von Wissen in der Forschung und dem praktischen Arbeiten. Dieses heiß umworbene Personal möchte in einem zukunftsorientierten Unternehmen arbeiten, das wiederum modern und digital strukturiert ist.

Für die Zukunft gewappnet sein

Welche Technologien gibt es? Wo können diese eingesetzt werden? Bereits jetzt gibt es eine Vielzahl an Technologien, die auf der Baustelle und darum herum einen Nutzen gefunden haben. Gerade Programme, wie PMIS (project management information system) und BIM (building information modeling), haben das höchste Potential sich gewinnbringend in das eigene Unternehmen zu integrieren. PMIS-Software hilft dabei jegliche Projekte besser zu organisieren und strukturieren. Integriert in solche Software ist die übersichtliche und transparente Verwaltung der gesamten Geräte und Materialien. Projektkosten können besser zugeordnet und abgerechnet werden. BIM-Software unterstützt die Planung von möglichen Bauvorhaben immens. Durch die ausgiebige und zusammenkommende Arbeit mehrerer Projektpartner können Fehler an der Baustruktur vermieden und Ideen am finalen Bau besser umgesetzt werden. Was vielerorts geschieht ist das Ansammeln wichtiger Daten, aber die Auswertung erfolgt häufig unzureichend. Daten sind die digitalen Erfahrungen. Eine klare und intensive Auseinandersetzung mit den gewonnenen Daten gibt umfangreiche Einblicke, die wiederum in folgenden Projekten umgesetzt werden können.  Nicht zu unterschätzen ist der Einsatz von Drohnen, die den gesamten Bauprozess begleiten und aufzeichnen können. In der Analyse der Bilddaten lassen sich mögliche Fehler oder Mängel direkt ausfindig machen und eine bessere Übersicht über die aktuellen Bauprozesse erkennen. Auch die Beschäftigung mit dem Thema “smart sensors” birgt ein gewisses Potential. Mit dem Einsatz dieser Sensoren kann auf den Einsatz vieler externen Rechner und deren Kapazitäten verzichtet werden. Sie werten gewonnene Daten direkt nach der Erfassung aus und geben diese dann weiter. Ein Zwischenschritt über einen anderen Computer ist dadurch nicht notwendig. 

Geringere Potentiale bergen aktuell RFID, 3D-Druck oder der Einsatz von Virtual oder Augmented Reality. Das liegt nicht daran, dass sie nutzlos sind. Leider sind diese Technologien noch nicht vollkommen ausgereift und Studien zu ihrem Einsatz zu wenig vorhanden. Eine intensivere Auseinandersetzung mit diesen Technologien kann aber sehr ergiebig sein. Vorreiter im Einsatz moderner Technologien zu sein, zahlt sich im Konkurrenzkampf mit Marktbegleitern aus. 

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Quellen:
- Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e.V. [Hrsg.]: Bauwirtschaft 4.0 - Der Baumittelstand auf dem Weg in die digitale Zukunft, Berlin 2020. 
- KPMG [Hrsg.]:No turning back – An industry ready to transcend, 2021.

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